Retraditionalisierung des Frauenbildes

„Es ist an der Zeit, mit dem Versuch aufzuhören, Frauen zu verändern, und damit zu beginnen, die Systeme zu verändern, die sie daran hindern, ihr Potenzial zu entfalten“, so der amtierende Generalsekretärs der Vereinten Nationen António Guterres zum Internationalen Frauentag 2020.

Wie systemrelevant Sorge-, Erziehungs- und Pflegearbeit, die Arbeit im Handel, im Lebensmittelhandel sind, haben wir wenige Tage nach dem 8. März wieder mal gesehen, als wir in den Shutdown gingen. Diese Berufe werden überwiegend von Frauen ausgeübt. Sie erbringen damit einen enormen Beitrag für die Gesellschaft: vor der Krise oft wenig beachtet und wertgeschätzt, jetzt während der Krise – besonders zu Beginn – abends mit Applaus bedacht und hochgelobt.

Dennoch wird gerade in der Krise sichtbar, dass es eher Frauen sind, die benachteiligt werden. Nicht nur, dass sie in der Krise die Hauptlast der Sorge- und Erziehungsarbeit in der Familie tragen, sie müssen auch finanzielle Einbußen verkraften. Deshalb ist uns der Familienbonus so wichtig, weil er Familien, auch alleinerziehende Familien, erreicht, besonders solche mit kleinen und mittleren Einkommen.

Wir wollen und müssen drohender Retraditionalisierung entgegensteuern. Dazu müssen wir das richtige Fazit für die Maßnahmen aus der Coronakrise ziehen. Dabei ist ein wichtiger Punkt im Forderungsteil, die Gleichstellung in der öffentlichen Krisenbewältigung zu verankern.

Wir brauchen neben fairer Bezahlung sogenannter systemrelevanter Berufe, in denen mehrheitlich Frauen beschäftigt sind, eine gleichberechtigte Aufteilung der Sorge- und Erwerbsarbeit. Ein positives Zeichen aus der Böckler-Studie ist, dass gerade diese in Familien gut eingeübt wurde, wenn Eltern sich Erziehungszeit teilen. Das wirkt in der Krise und auch darüber hinaus. Auch hierin besteht ein Ansatzpunkt, um etwas Positives aus der Krise entstehen zu lassen, für die Frauen, die Familien und die Gesellschaft.