Landesfachstelle „Trauma und Leben im Alter“ muss Arbeit einstellen

Die NRW-Mitte-Rechts-Koalition läßt das Projekt „Trauma und Leben im Alter“ mit Sitz in Bielefeld und Köln sterben. Das Bielefelder Westfalen-Blatt berichtet heute:

Projekt vor dem Aus – Förderung für »Trauma und Leben im Alter« ausgelaufen

Bielefeld/Düsseldorf (epd). Die 2016 gegründete Landesfachstelle »Trauma und Leben im Alter« mit Sitz in Bielefeld und Köln hat ihre Arbeit nach nur 16 Monaten vorerst einstellen müssen. Ende 2017 sei die Projektförderung durch das NRW-Gesundheitsministerium ausgelaufen, sagte die Projektleiterin Anke Lesner. Trotz erfolgreicher Arbeit gebe es keine Zusicherung für eine Weiterführung.

Das Projekt war im Herbst 2016 von der damaligen rot-grünen Landesregierung bewilligt worden. Die Fachstelle sollte für das Thema Alter und Trauma durch Krieg oder sexualisierte Gewalt sensibilisieren und darüber aufklären, zum Beispiel durch Schulungen von Beschäftigten im Pflege- und Gesundheitsbereich. Außerdem sollte ein überregionales Hilfenetzwerk entstehen. Online findet sich inzwischen unter »www.trauma-leben-alter.de« eine interaktive Landkarte, wo Angehörige Beratungsstellen oder besonders geschulte Ärzte in ihrer Nähe suchen können.

Die Projektfördersumme betrug für den Zeitraum von 16 Monaten 400.000 Euro für insgesamt dreieinhalb Stellen an den zwei Standorten. Träger sind die Vereine »Wildwasser« in Bielefeld und »Paula« in Köln, beides Beratungsstellen für weibliche Opfer sexueller Gewalt.

Das Gesundheitsministerium lobt die Fachstelle, die in ihrem Bereich »eine Lotsenfunktion vor allem für Pflegekräfte und Institutionen« wahrnehme. Ob die Einrichtung künftig vom Land finanziert wird, ließ eine Sprecherin aber offen. Sie verwies auf veränderte Rahmenbedingungen nach dem Regierungswechsel in 2017. Das Ministerium erarbeite aktuell den Landesförderplan für die laufende Wahlperiode.

Anke Lesner von »Wildwasser« befürchtet, dass erfolgreich etablierte Strukturen versanden. Die Fachstelle habe ein breitangelegtes Konzept zu Umgang und Unterstützung von Senioren mit unterdrückten Traumata entwickelt, erklärte die ausgebildete Alterspsychotherapeutin. »Es gibt bisher wenig Informationen und Strukturen zu dem Thema, der Unterstützungsbedarf ist aber groß.« Für 2018 habe es bereits 43 Anfragen für Schulungen gegeben. »Die mussten wir nun alle absagen«, bedauert Lesner.

„In den Haushaltsberatungen haben wir den Antrag gestellt, jährlich 300.000 € für beide Standorte wieder bereit zu stellen. Dies wurde von CDU und FDP abgelehnt, die damit auch hier ein Zeichen sozialer Kälte setzen“, so Regina Kopp-Herr.