Wildwasser Bielefeld eröffnet neue Landesfachstelle „Trauma und Alter“

Am Montag, 23.01.2017 wurde die neue Landesfachstelle „Trauma und Alter“ vom Träger Wildwasser Bielefeld e.V. und Regina Kopp-Herr Bielefelder Landtagsabgeordnete und Sprecherin des Arbeitskreises Frauen, Gleichstellung und Emanzipation der SPD-Fraktion vorgestellt. Ziel der Fachstelle ist es, ein flächendeckendes, landesweites Hilfenetz für alte Menschen mit zurückliegenden oder aktuellen Traumaerfahrungen aufzubauen.

Die Bielefelder Anlaufstelle für Westfalen-Lippe ist eine von zwei regionalen Einrichtungen die das Land geschaffen hat. Standort der Regionalstelle Nordrhein ist Köln, sie wird getragen von Paula e.V., eine Beratungsstelle für Frauen ab 60.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Schulung und Vernetzung von Einrichtungen aus Pflege und Gesundheit wie zum Beispiel Altenheime oder Hospize. Ein wichtiger Aspekt ist aber auch die Schaffung eines Problembewusstseins, denn das Thema ist sowohl in der Praxis von Pflege und Betreuung als auch im familiären Umfeld kaum präsent.

Dabei erleiden etwa zwei Drittel der Bevölkerung an irgendeinem Punkt in Ihrem Leben traumatische Erlebnisse. Bei rund einem Drittel dieser Menschen sind diese Erfahrungen gravierend. Im Alter kommen dann viele Erlebnisse wieder ins Bewusstsein, die von den Betroffenen lange Zeit verdrängt wurden.

„Auslöser“, so Anke Lesner von Wildwasser Bielefeld e.V., „ist häufig der Tot der Partnerin oder des Partners oder einfach das Wegfallen einer ausfüllenden Beschäftigung im Rentenalter.“ Eine Aufarbeitung hat in vielen Fällen nie stattgefunden und wenn Verdrängtes plötzlich an die Oberfläche kommt können die Reaktionen sehr heftig sein. „Solche Situationen sind auch für Personal und Angehörigen eine wiederkehrende Belastungsprobe, wir versuchen deshalb mit unserem Angebot aufzuzeigen wie damit umgegangen werden kann.“ Ursachen für Traumata sind zum Beispiel Kriegserlebnisse, der Missbrauch von Heimkindern oder Medikamententests an Patienten.

Ebenso Vielfältig wie die Ursachen der Traumata sind die betroffenen Gruppen, so zum Beispiel Homo- und Transsexuelle oder Geflüchtete. Diese Menschen haben teilweise sehr unterschiedliche Bedürfnisse, so dass auch die Angebote ausdifferenziert sein sollten, bspw. durch gender- oder kulturspezifische Konzepte. „Diese Herausforderungen können in der Praxis ohne professionelle Unterstützung oft nicht geleistet werden. Darum bin ich sehr froh, dass wir mit der Einrichtung und Finanzierung der Landesfachstelle Kontinuität in diese wichtige Arbeit bringen konnten,“ so Regina Kopp-Herr.

Am 07. Februar findet die offizielle Auftaktveranstaltung der Landesfachstelle im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter statt. Betroffene und Interessierte können sich auch jetzt schon unter ed.lw-retla-nebel-amuartnull@ofni oder telefonisch unter 0521/5573464 informieren.