Wiebke Esdar neue SPD-Chefin

Bielefeld. Überraschend war´s nicht – dennoch war die Freude groß. Wiebke Esdar ist mit einem Wahlergebnis von 89 Prozent (177 Ja-, 12 Nein-Stimmen und 9 Enthaltungen) die neue Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Bielefeld. Damit löst die Alleinbewerberin Marcus Lufen ab, der den Parteivorsitz vier Jahre lang innehatte.

Esdar trat bei der Wahl ohne Gegenkandidaten an, da zuletzt auch Riza Öztürk abgesagt hatte, weil er und seine Frau ein Kind erwarten. Die frisch gekürte SPD-Vorsitzende empfindet ihr Wahlergebnis von 89 Prozent als "ordentlich". Sie sei daher bereit, sich auch um eine Bundestagskandidatur für ihre Partei zu bewerben.

Zu Stellvertretenden Vorsitzenden wurden Regina Kopp-Herr, Frauke Viehmeister, Ingo Stucke und Riza Öztürk gewählt. Als Schatzmeister bestätigt wurde Ex-Stadtwerkechef Wolfgang Brinkmann. Er bekam 122 Ja-Stimmen. 44 Mitglieder votierten gegen ihn, 17 Genossen enthielten sich.

Sie übernehme das Amt der Parteichefin in einer Zeit, in der sie mehr denn je davon überzeugt sei, dass "wir in diesem Land starke demokratische Parteien brauchen", sagte Esdar. Das Flüchtlingsthema mit all seinen Auswirkungen liegt der Psychologin besonders am Herzen. Sorgen bereitet der jungen Politikerin, "wie breit die Gruppe derer aufgestellt ist, die sich Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu eigen macht". Dagegen anzugehen müsse eines der großen Ziele der politischen Arbeit der SPD sein. "Mit der AfD etabliert sich eine Partei, die nicht minder gefährlich ist als die NPD, die hoffentlich bald verboten ist."

Um diesen Strömungen Einhalt zu gebieten, müsse Politik wieder näher an die Menschen. "Wir müssen auf die Straße, auf die Plätze, an die Haustüren und in die Vereine, wir müssen mit den Menschen sprechen." Integration – das betreffe nicht nur Geflüchtete, es betreffe auch die hier Lebenden. Diejenigen, die sich von der Gesellschaft abgehängt und nicht mehr mitgenommen fühlen.

Neben vielen anderen hat Esdar auch das ursozialdemokratische Thema "Gute Arbeit" auf der Agenda. "Immer mehr Menschen bekommen nur noch befristete Verträge, was eine langfristige lebens- und Familienplanung unmöglich macht."

Wiebke Esdars Hauptjob aber wird darin bestehen, "den Laden zusammenzuhalten". Sie soll ein Team sein, die Bielefelder SPD. Und wenn es doch mal Streit gibt, liegt ihr an konstruktiven Lösungen. Ihr Vorgänger Marcus Lufen verabschiedete sich nach vier "herausfordernden" Jahren. Als die Vorstandsperiode im März 2014 begann, stand die SPD mitten im Wahlkampf. "Und nichts ist herausfordernder als ein Kommunalwahlkampf", erklärt der scheidende Parteichef, um sich kurz darauf zu korrigieren: "Ach ja, Koalitionsbildungen können das auch sein." Erst 2015 war nach zähem Ringen die "Paprika-Koalition" aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe an den Start gekommen, an deren Entstehung Lufen maßgeblich beteiligt war.

12.03.2016