Aktuelles aus dem Plenum

Regina Kopp-Herr

Im Plenum des Landtages wurde heute der Antrag der FDP-Fraktion „Mütter wertschätzen – individuelle Lebensentwürfe respektieren“ diskutiert. Lesen sie im Folgenden den Antrag sowie meine Rede im Namen der Regierungsfraktion im Wortlaut:

 

Antrag
der Fraktion der FDP

Mütter wertschätzen – individuelle Lebensentwürfe respektieren

I. Ausgangslage

Elternschaft ist eine Option unter Lebens- und Partnerschaftsformen. Elternschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. So ist die familiär-gesellschaftliche Stellung des Kindes deutlich aufgewertet worden. Das Wohl des Kindes setzt elterliche Erziehungssti-le voraus, die traditionelle Erziehungsziele, wie Gehorsam und Pflichtbewusstsein abgelöst haben. Eltern setzen sich für eine gelingende Erziehung zunehmend selbst unter Druck, da dies als immer schwieriger zu bewältigende Gestaltungsaufgabe von den Eltern wahrge-nommen wird. Zu diesem Ergebnis ist eine Forsa-Umfrage gekommen, die zu Jahresbeginn (Januar 2015) veröffentlicht wurde. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam bereits die Sinus-Studie „Eltern unter Druck“ aus dem Jahr 2008.

Elternschaft hat in der heutigen Gesellschaft trotz zunehmend wandelnder Rollenbilder der Geschlechter immer noch eine unterschiedliche Bedeutung für Mütter und für Väter. Nach wie vor findet überwiegend noch eine Retraditionalisierung der partnerschaftlichen Aufga-benteilung statt. Die Hauptverantwortung und -arbeit für die Erziehung, Betreuung und Pflege des Kindes oder der Kinder liegt nach wie vor bei der Mutter (68 Prozent).

Frauen erfahren ab der Geburt ihres (ersten) Kindes in vielen Fällen eine einschneidende Veränderung ihres Lebensumstandes. Sie geraten unabhängig vom Milieu vielfach in einen Rollenkonflikt. Der Konflikt basiert auf den unterschiedlichen Ansprüchen an eine gute bzw. perfekte Mutterrolle. Der Spannungsbogen vollzieht sich zwischen dem traditionellen (konservativen) und dem emanzipierten Rollenbild und der Mutterrolle, die sie durch Erwartungshaltung ihrer Kinder und der Umwelt erfahren, bis hin zur Rolle als Partnerin und Versorgerin.

Frauen im Dasein als Mutter setzen sich gemäß einer Studie des Rheingold-Instituts zunehmend selbst unter Druck. Ihre Ansprüche an sich selbst sind so hoch, dass sie dadurch ext-rem gestresst und unzufrieden sind. Das hängt auch damit zusammen, dass Mütter ständig ihr Image verteidigen müssen. Wenn eine Mutter sich dazu entschlossen hat, als Vollzeitmutter zu Hause zu bleiben, dann gilt sie gesellschaftlich als faul, unmodern und nicht vollwertig. Sie muss sich gegenüber der Gesellschaft dafür rechtfertigen, sich für die traditionelle Mut-terrolle entschieden zu haben. Wenn eine Mutter die Option gewählt hat, in Voll- oder Teilzeit zu arbeiten, dann wird sie immer noch häufig als Rabenmutter angesehen, die die Betreuung ihrer Kinder Fremden überlässt. Dadurch wird diesen Müttern ein schlechtes Gewissen injiziert. Denn viele werden dazu verleitet, ihre gesamte Freizeit mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern zu verbringen mit der Folge, dass ihre eigenen Interessen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Alltag stark vernachlässigt werden. Die Erwartungen an die mütterliche Zuwendung sind an berufstätige Frauen nicht geringer als bei Vollzeitmüttern. Daher wird das Spannungsverhältnis von Elternschaft und Berufstätigkeit besonders intensiv von Frauen wahrgenommen.

Frauen in der Mutterrolle streben danach, das Negativimage, das an ihnen haftet, abzuschütteln. Sie sind auf der Suche nach Wertschätzung für ihr Engagement und für ein besseres Ansehen in der Gesellschaft.

Die Vielfalt der Formen der Mutterrolle von Frauen bedarf einer gleichwertigen Beachtung. Auf diese Weise kann es zu einem eigenständigen und selbstbestimmten Leben von Frauen als Mutter kommen und zwar vor dem Hintergrund, dass jede Mutter unabhängig davon, ob sie zu Hause bleibt oder nicht, ihrem Kind bzw. ihren Kindern Liebe, Vertrauen, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Unterstützung geben kann.

Aufgabe der Politik ist es, eine mutterfreundliche bzw. elternfreundliche Atmosphäre in der Gesellschaft zu schaffen, so dass Mütter bzw. insgesamt Eltern Wertschätzung, Anerkennung und Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfahren. Denn der Großteil der Mütter bzw. der Eltern kümmert sich liebevoll um ihre Kinder. Mit einer veränderten gesellschaftlichen Einstellung zu Eltern und insbesondere zu Müttern werden sowohl die hohen innerlich gesetzten Erwartungshaltungen abgemildert und gelockert wie auch der innerliche Rollenkonflikt von Müttern ausgehebelt und das Negativimage von Frauen in der Mutterrolle umgekehrt. Frauen in der Mutterrolle sollen eine größtmögliche Wahlfreiheit für ihr Muttermodell ohne jegliche Diskriminierung erhalten, damit sie sich in der Aufgabe der Mutter größtmöglich, auch zum Wohle der Kinder entfalten können.

II. Beschlussfassung

Der Landtag fordert die Landesregierung auf,
– das Ansehen der Frauen in der Mutterrolle diskriminierungsfrei zu stärken und eine Anerkennungskultur für Mütter zu schaffen,
– in den unterschiedlichen Politikfeldern zu prüfen, welche Maßnahmen geeignet sind, um die Anerkennung für Frauen in der Mutterrolle zu stärken und die Wahlfreiheit für ihr Lebensmodell zu fördern und

– dafür Sorge zu tragen, dass jede werdende Mutter vor ihrer individuellen Wahl des mütterlichen Lebensmodells darüber informiert wird, welche Vorsorgemaßnahmen zur finan-ziellen Absicherung des Lebensunterhalts im Alter bestehen.

Christian Lindner
Christof Rasche
Susanne Schneider
Ulrich Alda
und Fraktion

 

Antwortrede – Regina Kopp-Herr

„Ich mach es für meine Fraktion kurz:

Wir werden den Antrag ablehnen.

Wir wollen keine rückwärtsgewandte Familienpolitik.

Wir erkennen an, die veränderten vielfältigen Familienformen, und wollen mit unserer Politik dieser Vielfalt gerecht werden, und dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen gestalten.

Wichtige Maßnahmen sind hier bereits angestoßen, wie der Ausbau der Kindertagesbetreuung oder das Elterngeld. Gerade beim Elterngeld finde ich es erfreulich festzustellen, dass es junge Väter erreicht, da sie selbiges in Anspruch nehmen, ein Indiz dafür, dass junge Eltern auf dem Weg sind  zu einer gleichberechtigten Aufgabenverteilung der Fürsorgearbeit und Berufstätigkeit.

Diesen Weg gilt es konsequent mit den entsprechenden Rahmenbedingungen weiter zu entwickeln und zu begleiten. Hier ist noch ein weites Feld zu beackern. Daran arbeiten wir, beispielsweise u.a. in der Enquete Familie seit Anfang des Jahres, oder mit anderen Worten wir wollen Zukunft gestalten.

Wie gesagt, wir wollen keine rückwärtsgewandte Familienpolitik. Wir werden den Antrag ablehnen.“