Kommentar zur Studie der Bertelsmann Stiftung

Landtagskandidatin im Bielefelder Wahlkreis 92 Regina Kopp-Herr

Die Studie der Bertelsmann Stiftung über den positiven Beitrag von Zuwanderern war in mancher Zeitung der hiesigen Presselandschaft eine Schlagzeile wert. Das große Interesse an dem Bericht ist sicher dem Stellenwert geschuldet, den die übergeordnete Thematik auf Grund der aktuellen Ereignisse erlangt. Sicher ist es aber auch Ausdruck der weitverbreiteten Überzeugung, dass Ausländer Geld kosten und ein Land mit einer hohen Einwanderungsquote sich ein kostspieliges Almosen leistet.

Dieses weitverbreitete Klischee ist typisch für Industrieländer und wiederspiegelt das Verhältnis arm und reich, Geben und Nehmen, Wohltat und Bedürftigkeit. So eine Sicht der Dinge ignoriert den ökonomischen Mehrwert der aus einer positiven Migrationsquote entstehen kann, etwa durch Steuereinahmen, Binnennachfrage und die Refinanzierung der Sozialversicherungsleistungen. Legt man den anhaltenden Trend des demographischen Wandels zugrunde wird der ökonomische Mehrwert in der langfristigen Perspektive noch deutlich zunehmen: Wer sonst wird die vielen Rentner finanzieren?

Der Wert eines Menschen und sein Beitrag zum Gemeinwohl lassen sich natürlich nicht nur in Zahlen ausdrücken. Auch die PEGIDA-Demonstrationen, beziehen sich nicht auf ausgeglichene Staatshaushalte sondern diffuse Ängste vor Überfremdung im Zusammenhang mit Kultur und Religion. Es benötigt aus meiner Sicht keiner Studie, um hier den Mehrwert zu erkennen: Vielfalt ist ein Reichtum, trotz aller Reibungspunkte.

Um Verständnis aufzubauen und Vorurteile abzubauen und letztendlich für ein harmonischeres Zusammenleben in dem jeder seinen Beitrag in der Gemeinschaft leistet, kann noch viel getan werden. Einige der Bereiche in denen noch Luft nach oben ist, werden in dem Bericht angesprochen. Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt sind wichtige Ansatzpunkte, aber auch Stadtentwicklung und Fürsorgeleistungen können dabei helfen, aus den Entwicklungen zu profitieren – konkret zum Beispiel durch eine vereinfachte Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüssen.

So wird schließlich deutlich, dass es eine Frage der Herangehensweise ist, ob Einwanderung eine Bedrohung oder eine Bereicherung ist.

Ihre
Regina Kopp-Herr

Zum Bericht der Bertelsmann Stiftung geht es hier