13 Millionen für Brackwede

Rund 2.000 Fahrgäste nutzen täglich den Bahnhof Brackwede. Dank einer Initiative des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe sollen jetzt rund 13,3 Mio. Euro investiert werden. Vor 2018 werden die Bauarbeiten jedoch nicht beginnen. Foto: Frücht

Brackwede. Die Nachricht, dass tatsächlich 13,3 Millionen Euro in die Hand genommen werden sollen, um den Bahnhof Brackwede modern und behindertengerecht auszubauen, hat Regina Kopp-Herr völlig überrascht. Die SPD-Landtagsabgeordnete und Brackweder Bezirksbürgermeisterin hat aus der NW davon erfahren. Ihr Jubel fällt dennoch verhalten aus.

"Nachdem ich so optimistisch war, dass der Brackweder Bahnhof Anfang des Jahres in das zweite Modernisierungsprogramm von Bund, Land und Deutscher Bahn als Nachrücker aufgenommen wird", sagt Kopp-Herr auf Anfrage, "und das nicht funktioniert hat, bin ich jetzt ein bisschen vorsichtiger mit meinem Jubel." Wenn der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und die Deutsche Bahn Station & Service sich jedoch tatsächlich darauf geeinigt hätten, "kann man sich darüber nur freuen". Nach der Weihnachtspause werde sie sich detailliert schlau machen.

Nach der Absage im Frühjahr hatte es nämlich so ausgesehen, als müssten sich die Bielefelder mit dem Zustand des Brackweder Bahnhofes und seinen Sicherheitslücken, die bereits zu mehreren tödlichen Unfällen geführt haben, noch recht lange arrangieren. Nur vage bestand die Aussicht auf ein drittes Modernisierungsprogramm ab 2020.

Und genau das war wohl auch dem NWL ein Dorn im Auge, wie Geschäftsführer Burkhard Bastisch gegenüber der NW betont. Weil für den Nahverkehrsverband einfach moderne Verkehrsstationen wichtig seien, "haben wir in Westfalen die Initiative ergriffen". Möglich sei dies durch "wirtschaftliche Mittel aus den Verkehrserträgen geworden", also Geld, das die fünf Mitgliedsverbände des NWL in der Vergangenheit verdient haben.

Das Konzept, das jetzt mit dem Land und der Deutschen Bahn abgesprochen ist, aber noch in konkrete Finanzierungsvereinbarungen einfließen muss, sieht insgesamt Investitionen in Höhe von 47 Millionen Euro an 14 Bahnhöfen vor (die NW berichtete). Brackwede ist mit 13,3 Millionen Euro der weitaus größte Batzen. Bastisch bestätigt, ohne konkreter zu werden, dass das meiste Geld in der Tat vom NWL komme. Daher habe man auch steuernd eingreifen können, welchen Bahnhöfen Vorrang gegeben wird. "Gerade mit Blick auf den Bahnhof Brackwede haben wir schon lange im Hintergrund versucht, unsere Einflussmöglichkeiten auszuschöpfen", so Bastisch.

In Brackwede müssen die Bahnsteige erneuert und erhöht werden, Aufzüge müssen eingebaut, die Treppenanlagen und der Tunnel unter den Gleisen saniert werden. Der Haltepunkt im Bielefelder Süden ist mit rund 2.000 Fahrgästen täglich schon von einer gewissen Relevanz im Verkehrsnetz. Außerdem gehört er zu denjenigen Stationen in Westfalen, in denen der geplante Rhein-Ruhr-Express (RRX) halten wird. Daher ist Burkhard Bastisch zuversichtlich, dass noch Fördermittel des Landes in diesem Fall hinzukommen könnten, um den Bahnhof Brackwede zukunftsfähig zu machen.

Allerdings müssen sich die Bahnkunden noch gedulden, bis sie einen barrierefreien, modernen Bahnhof in Brackwede haben werden. "Die Maßnahmen können angesichts fehlender Planungskapazitäten bei der Bahn frühestens 2018 beginnen", sagt Bastisch.

Der NWL-Geschäftsführer betont, dass es sich bei dem jetzt von der Verbandsversammlung gebilligten Förderprogramm "um eine einmalige Angelegenheit handelt". Dass Verkehrserlöse in der Höhe ausgegeben werden könnten – nach Rücksprache mit dem NRW-Verkehrsministerium – sei "nicht unbedingt wiederkehrend". Es biete sich damit allerdings die Gelegenheit, Bahnhöfe im ländlichen Raum zu berücksichtigen, die sonst durchs Raster gefallen wären.

Godehard Franzen, Vorsitzender des Bielefelder Vereins Pro Nahverkehr, freut sich über die Nachrichten und den Stimmungsumschwung. "Bislang war es nämlich nicht Politik des NWL, sich in der Form am Ausbau der Infrastruktur zu beteiligen." Jetzt sei es wichtig, dass die Vertragsverhandlungen schnell abgeschlossen werden und "dass sich Bielefeld konstruktiv verhält". Godehard Franzen meint damit, dass die Stadt dann gleich das Umfeld des Brackweder Bahnhofes und den Internationalen Busbahnhof mit umgestaltet.

"Dieses Areal haben wir in der Tat nach wie vor im Blick", sagt auch Bezirksbürgermeisterin Regina Kopp-Herr. Wenn sich jetzt am Bahnhof tatsächlich Entscheidendes tun werde, "hätten wir vier Jahre Vorlauf, um das Umfeld zu planen und Fördermittel zu generieren".