Rot-grüner Jubel im Rathaus

Vier strahlende Gewinner, zwei bitter geschlagene Verlierer. Das Bielefelder Wahlergebnis spiegelt den Wahlausgang im Land. Dabei liegt die SPD noch ein wenig besser als in NRW insgesamt. Erneut werden die SPD-Kandidaten Regina Kopp-Herr, Günter Garbrecht und Georg Fortmeier Bielefeld im Land vertreten. Auch Matthi Bolte von den Grünen, der erneut eines der besten Ergebnisse seiner Partei in NRW verbuchte, kehrt über die Liste zurück in den Landtag. Erst am späten Abend wurde für Ralf Nettelstroth klar, dass er es trotz des schwachen Ergebnisses der Christdemokraten geschafft hat: Er erhält über die Reserveliste ein Mandat in Düsseldorf.

Als erste feierten gestern Abend bei der Wahlparty im Rathaus jedoch die Piraten. Sie hatten mit einem Sieg gerechnet, schwenkten aufblasbare Schwerter. Mit 7,4 Prozent sind sie in der Stadt fast so stark wie im Land.

Auch die SPD jubelt früh und bleibt dabei. Daumen werden hochgereckt, rote Fahnen geschwenkt als klar wird, dass die drei Kandidaten ihre Landtagssitze klar verteidigt haben. Regina Kopp-Herr hat zum zweiten Mal das beste Einzelstimmen-Ergebnis in Bielefeld eingefahren und Ralf Nettelstroth noch deutlicher geschlagen als 2010 Rainer Lux. Über drei Prozentpunkte hat sie zugelegt. Auch Garbrecht und Fortmeier haben dazugewonnen. „Ein sensationelles Ergebnis“, sagt Parteivorsitzender Marcus Lufen.

Die CDU ist bitter enttäuscht, sie ist in Stadt und Land deutlich abgerutscht, auch die Direktkandidaten waren absolut chancenlos. Ralf Nettelstroth spricht von einem „desaströsen Ergebnis“. Die Sachthemen hätten nicht gezogen. „Mit so einem deutlichen Verlust habe ich nicht gerechnet“, sagt Monika Kammeier. Kreisvorsitzender Bernd Landgraf findet, dass Spitzenkandidat Norbert Röttgen Fehler gemacht hat, „der sofortige Rücktritt war das einzige, was er jetzt tun konnte.“

Über ein „unglaublich gutes Ergebnis“, freut sich Matthi Bolte von den Grünen, obwohl „die SPD zugelegt hat und es mit den Piraten einen neuen Mitbewerber gibt.“

Die FDP hat ihr Ziel erreicht, freut sich über den Lindner-Effekt. Sie hat im Land dazugewonnen, auch die Direktkandidaten haben die Ergebnisse in den Wahlkreisen teils ein wenig verbessert. „Es ging um die Zweitstimmen“, sagt Jasmin Wahl-Schwentker.

Die Linken haben ihren Wahlerfolg von 20120 nicht wiederholt, sind aus dem Landtag geflogen. „Unter drei Prozent, das ist bitter, aber in Bielefeld liegen wir besser als im Land“, so Kandidatin Brigitte Stelze.

„Die Partner der Ampelkoalition im Rat sind die Gewinner“, meint Oberbürgermeister Pit Clausen. Die FDP, so Vorsitzender Jan Maik Schlifter, sieht in ihrem guten Abschneiden sogar den Auftrag, „auch in Bielefeld stärker auf die Haushaltskonsolidierung zu drücken.“ Grüne und SPD geben sich zurückhaltender: „Schau’n wir ’mal“, sagt SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier.

Die Piraten wollen nun ihre lokalen Arbeitsgruppen stärken und etwa auf mehr Bürgerbeteiligung beim Masterplan Innenstadt oder auf Liveübertragungen von Ratssitzungen drängen, kündigt Michael Gugat an.