NRW-Wahl häufig Vorbild für den Bund

Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen werden oft als kleine Bundestagswahl bezeichnet. Das liegt nicht nur an der großen Zahl von mehr als 13 Millionen Wahlberechtigten. Oft war die Abstimmung an Rhein und Ruhr auch Vorbote eines politischen Wechsels im Bund.

Mit dem Wahlerfolg in NRW steht das rot-grüne Regierungsmodell demnach möglicherweise vor einem Comeback – nach dem Scheitern der Minderheitsregierung. Zuletzt war Rot-Grün in mehreren Ländern erfolgreich. Im März wurden die Grünen in Rheinland-Pfalz Regierungspartner der Sozialdemokraten, im Mai wurde in Bremen die bestehende rot-grüne Koalition bestätigt. In Baden-Württemberg war die Reihenfolge erstmals umgekehrt: Dort löste Grün-Rot unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann im März die schwarz-gelbe Koalition ab.

Vorreiter für Rot-Grün war Hessen, wo 1985 eine solche Koalition unter Führung von Ministerpräsident Holger Börner (SPD) und Vize Joschka Fischer (Grüne) geschlossen wurde. Das Bündnis endete Anfang 1987 wegen eines Streits über die Atompolitik. Die zweite rot-grüne Koalition in einem Land, Berlin 1989 bis 1990, ging ebenfalls vorzeitig im Streit auseinander. Damals gab es Differenzen im Zusammenhang mit Hausbesetzungen.

Erstmals eine ganze Wahlperiode lang hielt die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen von 1990 bis zum Jahr 1994 unter SPD-Ministerpräsident Gerhard Schröder und dem Grünen Jürgen Trittin.

Schröder war es auch, der Rot-Grün zum bisherigen Höhepunkt führte: Von 1998 bis zum Jahr 2005 regierte im Bund eine rot-grüne Koalition mit Schröder als Bundeskanzler und Fischer als Außenminister und Vizekanzler. Sie wurde nach der Bundestagswahl 2005 von einer großen Koalition aus CDU/CSU und Sozialdemokraten abgelöst.