Die Kraft-SPD triumphiert

Hannelore Kraft ist die strahlende Siegerin der Landtagswahl in NRW. Die alte und neue Ministerpräsidentin hat das Ergebnis ihrer SPD noch einmal gesteigert. Nach zweijähriger Minderheitsregierung kann Rot-Grün nun auf eine stabile Mehrheit (127 von 235 Sitzen) bauen. Ein Debakel erlebten die CDU und ihr Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. Er trat vom Landesvorsitz zurück.

„Was für ein toller Abend!“ Mit diesen Worten trat Hannelore Kraft vor ihre jubelnden Anhänger in der SPD-Zentrale. Sie dankte den Wählern für das Vertrauen und versprach: „Wir werden unser Bestes geben.“ Überglücklich, aber auch erschöpft vom Turbo-Wahlkampf gestand die 50-Jährige: „Ehrlich gesagt bin ich jetzt total kaputt.“

Kraft bekannte sich zu einer Fortsetzung der Koalition mit den Grünen. Durch die klaren politischen Verhältnisse wird Rot-Grün nun bei der Gesetzgebung nicht mehr auf andere Partner angewiesen sein. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Sylvia Löhrmann, sagte: „Wir werden genauso partnerschaftlich und gut weiterregieren.“

Einen herben Dämpfer erhielten die politischen Ambitionen von Norbert Röttgen. „Es ist eine eindeutige, klare Niederlage, sie ist nicht zu beschönigen – und sie tut richtig weh“, sagte der sichtlich angegriffene CDU-Spitzenkandidat. Für die historische Niederlage der CDU sei er verantwortlich. „Dieses Ergebnis führt dazu, dass ich die Führung des Landesverbandes abgebe.“ Röttgen wünschte Kraft eine „glückliche Hand bei der Führung des Landes“.

Der Überraschungssieger der NRW-Wahl heißt Christian Lindner. Der 33-Jährige hatte die Spitzenkandidatur übernommen, als seine Partei in Umfragen gerade einmal bei zwei Prozent lag. Dass er diesen Wert vervierfachen konnte, erklärte er mit „Prinzipienfestigkeit“. Diese sei in der Politik „keine Dummheit, sondern Ausdruck von Tugend und Charakter“. Über mögliche Ambitionen in der Bundespartei mit ihrem glücklosen Vorsitzenden Philipp Rösler erklärte Linder: „Ich bin ab morgen Fraktionschef der FDP im Landtag.“

Den vierten Einzug in Folge in ein Landesparlament feierten die Piraten, die sich zunehmend als feste Größe in der Parteienlandschaft etablieren. Zu hoch war die Fünf-Prozent-Hürde für die Linke, die das Parlament in Düsseldorf verlassen muss. Insgesamt verteilen sich die Sitze im Landtag laut Hochrechnungen wie folgt: SPD: 98; CDU: 66; Grüne: 29; FDP: 22; Piraten: 20.

Die Wahlbeteiligung hat sich fast nicht verändert. Schon 2010 war sie auf einen historischen Tiefstand von 59,3 Prozent gesunken. Der Wahlsieg der SPD spiegelt sich auch in Ostwestfalen-Lippe wider. Die Sozialdemokraten holten 11 von 15 möglichen Direktmandaten. Einzig in den Wahlkreisen Paderborn I und II, Höxter und Gütersloh III hatte die CDU die Nase vorn.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob das Traumergebnis der SPD in NRW Hannelore Kraft auch zur Kanzlerkandidatin macht. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte in Berlin: „Natürlich ist das so, dass Hannelore Kraft nach so einem überzeugenden Ergebnis automatisch für eine Spitzenkandidatur in Frage käme.“ Diese Frage ginge nun an sie. Kraft betonte, als Ministerpräsidentin in Düsseldorf bleiben zu wollen: „Ich hab mich vorher festgelegt, und ich bleibe dabei.“