Stadtverkehr aus einem anderen Blickwinkel!

Der zukunftsorientierte Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs ist mir schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Ein Tagespraktikum bei moBiel, dem Tochterunternehmen der Stadtwerke Bielefeld, schien mir eine gute Gelegenheit, den Stadtverkehr mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. So machte ich mich am Morgen des 24. Februar 2012, noch als Landtagsabgeordnete, auf den Weg zum Betriebsgelände an der Otto-Brenner-Straße.

Nach meiner Anreise mit Bus & Bahn werde ich von den Herrn Krain und Herrn Steinbrecher freundlich in Empfang genommen. In einer kleinen Einführung zur Unternehmensgeschichte erläutern sie mir ein paar erstaunliche Eckdaten zur Unternehmensentwicklung: Durch eine stärkere Integration peripherer Gebiete ist es gelungen, die Fahrgastzahlen derart zu steigern, dass das Unternehmen heute eine Kostendeckung von 70 % aufweist – ein absoluter Spitzenplatz in der Bundesrepublik!

Als nächstes besichtige ich die Leitstelle, aus der mir schon von weitem eine Vielzahl von Signallämpchen und Monitoren mit Bildern von Kameras aus Stadtbahnen und Bahnsteigen entgegenleuchten und mir einen Eindruck verschafften, mit was für einer Informationsflut man es hier zu tun bekommt. Man sagt mir die Einarbeitungszeit hier betrage 1 Jahr.

Von der Leitstelle aus geht es weiter in die Werkstatt. Hier bietet sich mir eine bemerkenswerte Kulisse: Aufgebockte Gelenkbusse und Stadtbahnen reihen sich in der riesigen Halle Fahrzeug für Fahrzeug hintereinander. Trotz meiner typisch weiblichen Sozialisation bin ich beeindruckt von diesen Stahlkolossen. Es wird repariert, gewartet und gewaschen. „Die Metallräder der Bahnen werden auf einer eigenen Schleifmaschine wieder zu einer runden Sache“, erklärt mir Herr Schönenberg, während ich mich umschaue.

Nach dem Besuch in der Werkstatt geht’s über den Betriebshof zur Planungsabteilung. Herr Meier und Herr Artschwager nehmen sich Zeit für mich und berichten über verschiedenste Planungen zur Verkehrsentwicklung, die wünschenswert für Bielefeld, aber noch nicht finanziell hinterlegt sind. So ist man als zukunftsorientiertes Verkehrsunternehmen für alle Eventualitäten vorbereitet, falls sich Fördermöglichkeiten ergeben und Anträge schnell gestellt werden müssen.

Als nächstes soll es mit der Vamos „Stadt Brackwede“ auf der Linie 4 in Richtung Universität gehen. Doch zunächst machen wir einen Zwischenhalt beim Mittagessen. Die Sonderfahrt in Bielefelds neuester Stadtbahn wird natürlich so gelegt, dass der normale Stadtbahnverkehr geordnet weiterlaufen kann.

Viele neugierige Blicke von außen begleiten uns, oft auch ein freundliches Winken. Die modernen Züge sehen klasse aus und sind sehr geräumig und leise. Ich bin fasziniert von den technischen Finessen mit denen die Fahrzeuge aufwarten: Die Außenspiegel wurden durch Kameras ersetzt und die Wagons sind mit Klimaanlagen und TFT-Bildschirmen ausgestattet.

Nach 45 Minuten Fahrt verlassen wir den Vamos und besuchen die unterirdische Servicestelle im Jahnplatztunnel. Herr Landgraf, der Leiter, erklärt mir die Aufgaben und Leistungen die hier angeboten werden. Neben Beratung und Auskünften rund um den ÖPNV in Bielefeld und der Region, können hier Tickets erworben werden, insbesondere für Gruppenfahrten. Darüber hinaus koordiniert Herr Landgraf den Einsatz des Sparrenexpress und der Oldtimerbahn. Auch die Datenaufnahme und anschließende Abwicklung beim Fahren ohne gültigen Fahrschein gehört zum betrieblichen Alltag.

Im Fundsachenlager türmen sich eindrucksvoll gebrauchte Regenschirme, Brillen, Mobiltelefone und Rucksäcke nebeneinander auf. Sogar Gebisse wurden schon gefunden! Ein vielseitiger Arbeitsplatz, der von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein hohes Maß an Flexibilität einfordert – und die Bereitschaft, ohne Tageslicht zu arbeiten.

Meine letzte Station ist das moBiel-Haus am Niederwall. Tickets und Reisen können hier gebucht werden und verschiedene Verkehrsdienste wie Carsharing oder go.on haben hier, zwischen Rathaus und Jahnplatz, ihre Geschäftsstellen eingerichtet. Am meisten Beeindruckt mich das umfassende Beratungsangebot: Es gibt einen Telefonservice, extra für Seniorinnen und Senioren! Auch die Angebote rund um die Radfahrstation am Hauptbahnhof gehören in den Zuständigkeitsbereich des moBiel-Hauses, erklärt mir Frau Wöhrmann. Darüber hinaus befindet sich hier die „Beschwerdestelle“– ein heikles Geschäft für diejenigen, die die Beschwerden entgegennehmen.

Um 16.00 Uhr endet mein Praxistag bei moBiel. Ich bekomme noch eine prall gefüllte Informationsmappe mit auf den Weg, sowie einen Kaffeebecher und ein moBiel Brettchen mit einer Abbildung der neuen Vamos. Sie zieren nun meinen Schreibtisch und erinnern mich an einen super Tag, der mir viele Einblicke in das komplexe Aufgabengebiet von moBiel gebracht hat.

Glücklich aber kaputt fahre ich mit der Linie 28 zurück nach Ummeln.

Nachtrag: Gestern war es soweit: der Bielefelder Stadtentwicklungsausschuss hat sich für das Nahverkehrsprojekt „moBiel 2030“ ausgesprochen. Damit steht ein breiter politischer Konsens hinter den Plänen der Stadtwerketochter zur Verlängerung und zum Umbau diverser Stadtbahnlinien. Zeitlich passend zum Beschluss kam Landesverkehrsminister Harry Voigtsberger, um sich über das Projekt zu informieren. Sein Fazit: „Der Ausbau ist für eine Stadt wie Bielefeld von großer Bedeutung als Wirtschaftsstandort, aber auch als Beitrag für den Klimaschutz.“ Dieser Bewertung kann ich mich nur anschließen und freue mich über den großen Zuspruch. Wenn alle Beteiligten weiterhin in eine Richtung arbeiten, ist Bielefeld im Wettbewerb um die Zuschuss-Töpfe gut aufgestellt. Denn ohne Landesmittel ist das mit rund 200 Millionen Euro veranschlagte Projekt nicht zu stemmen. Als Landtagskandidatin für die im besonderen Maße betroffenen Randgebiete, werde ich mich daher offensiv für die Verkehrsprojekte einsetzen.

Mehr Informationen zu moBiel 2030 findet Ihr hier:
moBiel 2030