Bielefelds starker Südosten

Mit rund 114 000 Wahlberechtigten ist der Wahlkreis 93 der größte in Bielefeld – und wegen seiner ganz unterschiedlichen Struktur auch ein spannendes politisches Pflaster.

Heepen und Stieghorst, die beiden östlichen Bielefelder Stadtbezirke nördlich des Teuto, sowie Brackwede, Senne und Sennestadt gehören zu diesem Wahlkreis, der wegen seiner ungewöhnlichen Form auch »Sichel-Wahlkreis« genannt wird.
Bei der Wahl 2010 verwies Regina Kopp-Herr (SPD) Rainer Lux (CDU) mit 42,4 Prozent der Erststimmen deutlich auf Rang zwei. Lux, der 15 Jahre Landtagsarbeit hinter sich hatte und den Wahlkreis 2005 ebenfalls direkt geholt hatte, kam auf 37,3 Prozent, war nicht auf der Landesliste abgesichert – und musste aus dem Landesparlament ausscheiden.

Rainer Lux war seinerzeit auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bielefelder Rat. Der jetzige Bewerber der Union, Ralf Nettelstroth, hat dieses Amt aktuell ebenfalls inne. Er hofft, der Sozialdemokratin, die ihren Erfolg von 2010 wiederholen möchte, den Wahlkreis wieder abnehmen zu können.

Die Grünen schicken mit Gudrun Hennke keine Kandidatin ins Rennen, die Aussicht auf ein Mandat hätte. Auf der Landesliste ihrer Partei steht sie zu weit hinten. Interessant dürfte dagegen sein, wie der Liberale Jan Maik Schlifter abschneidet. Erst im Februar ist er zum neuen Kreisvorsitzenden der FDP gewählt worden, muss jetzt als Kandidat und Organisator seinen ersten Wahlkampf bestehen. Vor zwei Jahren kam die FDP in dem Wahlkreis gerade auf fünf Prozent, Direktkandidat Dr. Björn Kerbein auf 3,2 Prozent Erststimmen
Die Linken blieben mit 6,5 Prozent der Zweitstimmen deutlich hinter dem Ergebnis in ihrem Hochburg-Wahlkreis 92 zurück. Brigitte Stelze war damals Kandidatin der Linken und ist es auch diesmal wieder. Christoph Tacke von den Piraten war ebenfalls schon 2010 angetreten, holte 1,4 Prozent. Diesmal wird erwartet, dass die Piraten auch in Bielefeld bei deutlich über fünf Prozent landen werden.

So unterschiedlich der Wahlkreis strukturiert ist, so gibt es doch ein großes gemeinsames Thema. Das ist die Verkehrspolitik. Im Norden wird nach wie vor der Bau der L 712 neu kontrovers diskutiert, geht es um den vierspurigen Ausbau der Herforder Straße bis Brake und den Ausbau der Grafenheider Straße. Im Süden ist der A 33-Lückenschluss ein großes Thema. Zwar wird es bereits eine deutliche Entlastung geben, wenn im kommenden Jahr die A 33 bis Brackwede und der Ostwestfalendamm bis zur Autobahn verlängert werden. Aber vor allem die Queller haben weiterhin mit dichtem Verkehrsaufkommen zu kämpfen, weil der Autobahn-Weiterbau andauert. Ein großes Thema ist auch die Ortsumgehung Ummeln.

Das WESTFALEN-BLATT stellt die Bewerber der Parteien, die bereits im Landtag vertreten sind oder die nach den Umfragen Aussichten haben, dort vertreten zu sein, vor. Im Wahlkreis 93 tritt darüber hinaus die Partei für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland (AUF) mit einem Direktkandidaten an. Es bewirbt sich Thomas Dissmann (47), Beamter.