Gefängnisalltag auf den Prüfstand!

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. 1825 mal hat sich in dieser Zeit die Zellentür auf- und wieder zugeschlossen, 1825 mal wurden Frühstück, Mittag- und Abendessen durch eine Klappe geschoben, und dazwischen verbringen Häftlinge in der Regel viele Tausend Stunden damit, zu warten: "Man sperrt mich ein, um mich auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten", schreibt ein JVA-Insasse im Internet-Forum "Knast-Net.

Fünf Jahre sind eine kurze, eine sehr kurze Zeit. Wer Opfer einer Gewalttat, eines Überfalls, einer Vergewaltigung geworden ist, der wird die Momente des Schreckens nicht nach fünf, auch nicht nach zehn Jahren los, wird nur noch bei Licht schlafen, Hilfe bei einem Therapeuten suchen. Opfer haben lebenslänglich.

Die Überlegungen, Schwerverbrechern bereits nach fünf Jahren einen ersten Hafturlaub zu gewähren, hat eine Welle der Empörung hochgespült. Ein so emotionales, kontroverses Thema lässt sich nicht "mal eben so als Idee verkünden, als handele es sich um eine Neuregelung für Sonntagsbäcker. Nicht nur da waren die Landesvater und -mütter mit ihrem Vorstoß schlecht beraten.

Die letzte große Strafrechtsreform ist 40 Jahre her. Der Knastalltag, davon unbeeindruckt, gehorchte schon immer eigenen Regeln, die sich vor allem danach richten, dass auch im Strafvollzug gespart wird. Es gibt zu wenig Personal, zu wenig Sozialarbeiter, zu lange Wartezeiten für die, die eine Therapie machen wollen. "23 Stunden in der Zelle verwahrt zu werden, das ist zu 98 Prozent die Regel , heißt es im "Knast-Net". Vielleicht mutmaßt der GdP- Chef Witthaut nicht zu Unrecht, mit dem Urlaubsvorstoß wolle man Überbelegung und Personalknappheit in den Haftanstalten kompensieren.

Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Die Politiker werden den gesamten Knastalltag auf den Prüfstand stellen müssen. Erst dann könnte über eine Neuregelung von Hafturlauben nachgedacht werden, die auch in einer absoluten Einzelfallregelung enden kann.