Hart, härter, Metaller

IG Metall Ehrungen

Sie sind lange dabei, für Jüngere teilweise unfassbar lange: Metaller, die gestern für 80 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden; Metaller, die seit 50, 60 Jahren ihrer Gewerkschaft die Treue halten. „Es sind jetzt die letzten, die noch vor der Nazizeit eingetreten sind“, sagt IG-Metall-Sekretär Oguz Önal – damals, 1931, traten Werner Rußbüldt und Heinrich Dünkeloh in den Deutschen Metallarbeiter-Verband DMV ein, den 1933 zerschlagenen Vorläufer der IG Metall.

Beide konnten jetzt bei der großen Jubilarehrung nicht dabei sein, dafür aber war Gerhard Gutschke (75) anwesend – gemeinsam mit Ehefrau Herta (72). Er, geehrt für 60 Jahre, erlebte alles, wie er sagt: „Von der Wiege bis zur Bahre – von Ruhrstahl über Rheinstahl bis hin zu Thyssen; die ganze Palette.“ Er weiß, wie wichtig gewerkschaftliches Engagement ist, er sagt: „Wer glaubt, als Einzelkämpfer mehr zu erreichen, erliegt einem Trugschluss – nur ein großer Verbund bringt Sicherheit, vor allem für die Schwächeren.“
Mit dieser Einstellung kam Gutschke weit in der IG Metall, Betriebsrat, Betriebsratsvorsitzender bei Thyssen in Brackwede, Mitglied des Konzern-Betriebsrates. Und, wie es sich so für einen Metaller gehört, ist er in der SPD, und kam an Polit-Jobs nicht vorbei. „Da wird einem schnell ein Amt angetragen – und so war ich viele Jahre im Rat der Stadt Halle.“
Ein engagiertes Metaller-Leben, geprägt von der Arbeit, dem Einsatz für Kollegen und den Betrieb. Ein Leben, das seinen Preis hat: „Einiges geschah zum Leidwesen der Familie“, sagt er; und Ehefrau Herta nickt und schmunzelt.

Doch es sind genau diese Menschen, vor denen auch Oberbürgermeister Pit Clausen „großen Respekt“ hat. Er sprach zu den mehr als 500 Gästen der IG Metall, sparte nicht an Lob mit Blick auf 947 zu Ehrende, die zusammen fast 36.000 Jahre Gewerkschaftsleben in die Waagschale zu werfen haben – auch wenn nicht mehr alle den Jubilar-Termin in der Stadthalle wahrnehmen können. Immerhin: „Wir besuchen die ältesten aber zu Hause“, sagt Önal.

Pit Clausen: „Ihnen gebührt meine Anerkennung, mein Respekt – weil Sie sich über Jahrzehnte mit einem Standpunkt eingebracht haben, denn das ist die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, ein Standpunkt.“ Es gebe „auch heute noch“ gute Gründe, Mitglied zu sein, „das weiß ich auch als Arbeitsrichter, das können Sie mir glauben“.

Sein Zuruf an jene, die meinen, es gehe auch ohne Mitgliedschaft: „Wo gute Tarifverträge ausgehandelt werden, da darf man sich nicht auf bloße Trittbrettfahrerei beschränken, sondern muss Mitglied werden.“

Worte, die IG-Metall-Chef Harry Domnik in seiner letzten Jubilar-Ehrung vor der eigenen Altersteilzeit gerne hörte, und er konnte positive Zahlen vermelden: „Erstmals gibt es bundesweit wieder einen Mitgliederzuwachs, auch in Bielefeld sind wir auf einem guten Weg.“ Bis September habe es 465 Neuaufnahmen gegeben, fast 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – und parallel sei die Zahl der Austritte um 17 Prozent gesunken, das entspricht 516 Menschen. Das heißt für Bielefeld: Noch gibt es leichte Verluste, aber der Trend ist positiv; erstmals seit 1990 geht es bergauf. Das braucht die IGM auch, kommt sie doch von 36.645 Mitglieder im Jahr 1961 – und steht heute bei 18.300.

Ziele für die Zukunft seien, so Domnik, einerseits der Kampf gegen die Leiharbeit, andererseits das Ringen für unbefristete Übernahmen von jungen Leuten nach der Lehre. „Alle Welt redet doch vom Facharbeitermangel“, sagte Domnik.