Das Rednerpult mit Säge und Schere getauscht

Regina Kopp Herr (MdL) mit Wolfgang Ullrich im Verein für Berufliche Ausbildung und Qualifizierung Jugendlicher und Erwachsener (BAJ)

Bielefeld (BAJ). „Und jetzt die Kanten mit 240er Papier schön rund schleifen“, erklärte Wolfgang Ullrich. Der Ausbilder der Holzwerkstatt drückte Regina Kopp-Herr das Schleifpapier in die Hand und sah zu, wie die Landtagsabgeordnete das Holzstück bearbeitete. „Das sieht bereits ganz gut aus“, attestierte ihr der Ausbildungsmeister. Regina Kopp-Herr setzte ihre „Initiative Tatkraft“ fort und arbeitete jetzt für einen Tag beim Verein für Berufliche Ausbildung und Qualifizierung Jugendlicher und Erwachsener (BAJ).
„Wir haben gerade sitzungsfreie Zeit im Landtag und ich kann nun mein Wahlversprechen einlösen“, erzählte Regina Kopp-Herr, die sich gezielt Berufe herausgesucht hat, in denen die SPD-Abgeordnete keinerlei Kenntnisse besitzt. So hat die vierfache Mutter das Rednerpult im Landtag gegen Säge und Schere für einen Tag eingetauscht. Morgens hat sie im Holzbereich mitgearbeitet und den Nachmittag verbrachte Kopp-Herr bei den BAJ-Friseuren.
Wie alle anderen Auszubildenden auch, musste die Politikerin aus Ummeln bei Null anfangen: „Zuerst musste ich ein Werkstück bearbeiten“, so Kopp-Herr. Dabei galt es, unter anderem den Umgang mit Bohrmaschine und Säge kennenzulernen. Anschließend bekam die gelernte medizinisch-technische Assistentin die Aufgabe, in mehreren Arbeitsschritten einen „Zen-Garten“ herzustellen. Das ist eine etwa DIN A4 große, von Holzleisten umrahmte, Platte, auf die Sand geschüttet wird. Dazu gibt es noch vier Steine und eine kleine Harke aus Holz. „So musste ich unter anderem zuerst die Holzleisten zusägen, Löcher in die Rückwand bohren und anschließend die Rückwand an die verleimten Holzleisten schrauben“, erklärte Kopp-Herr. Das sei ganz anders als in der Politik, so die Landtagsabgeordnete, „da kann ich heute Abend zeigen, was ich selber gefertigt habe, etwas Handfestes.“
Ihre Anerkennung gegenüber dem BAJ und den Jugendlichen ist hoch: „Jetzt, wo ich selber die Erfahrung im Ausbildungsbereich gemacht habe, ist mein Verständnis für die, die hier im BAJ anfangen, noch mehr gewachsen“, betonte Kopp-Herr, die, wie sie sagt, „eine typische weibliche Sozialisation durchlaufen hat“, aber „jetzt bin ich froh, dass ich im Alter von 53 Jahren noch solche Erfahrungen machen kann.“ Sie dreht mit dem Akkuschrauber die letzte Schraube in die Rückwand und fügt hinzu: „Im meinem ganzen Leben hatte ich bisher ein Mal einen Akkuschrauber in der Hand, und das ist nicht gut gegangen. Meine Kinder hätten die hellste Freude, wenn sie das jetzt sehen könnten.“
Zur aktuellen finanziell schwierigen Situation des BAJ mochte Regina Kopp-Herr nicht viel sagen, erklärte aber: „Das ist Chefsache von Oberbürgermeister Pit Clausen. Wenn es das BAJ aber nicht mehr gäbe, würde der Stadt eine wichtige Institution fehlen; es wäre katastrophal!“
Nach dem Ölen der Holzleisten füllte sie den Sand ab, Wolfgang Ullrich schickte die Auszubildende in die Mittagspause. Der Zen-Garten war fertig, Regina Kopp-Herr zufrieden: „Das war ein richtig schöner Vormittag im Holzbereich des BAJ“, schwärmte die Abgeordnete, und „Holz ist ein toller Werkstoff. Wenn ich mehr Zeit hätte, könnte das ein Hobby von mir werden!“
Gespannt war Kopp-Herr, was nach der Mittagspause im Friseurbereich auf sie wartet. „Ich kann ja noch nicht einmal den Pony schneiden“, erklärte sie augenzwinkernd, und „ich bin mal gespannt, wie ich mich da anstelle.“
Ihren Zen-Garten packte sie stolz ein. „Daraus werde ich mir eine Nordseelandschaft gestalten und sie mir in mein Düsseldorfer Büro stellen“, betonte die Politikerin, die dem Ausbilder in der Werkstatt zuversichtlich beim Verlassen sagte: „In zehn Jahren sehen wir uns hier wieder!“