Minister fordert Perspektive für den Stahlstandort

Von links: Georg Fortmeier, Regina Kopp-Herr, Günter Garbrecht, Guntram Schneider, Ute Herkströter und Udo Horn. Foto: Peter Bollig

Westfalen-Blatt, Samstag, 29.01.2011

Brackwede (WB). Das Brackweder Thyssen-Krupp-Werk kennt Guntram Schneider noch aus seiner Jugend: Einst hatte der heutige NRW-Arbeitsminister dort seine Lehre zum Werkzeugmacher absolviert. Sein Besuch am Freitag galt indes nicht nur dem Auffrischen von Erinnerungen.

Mit der Geschäftsleitung der Thyssen-Krupp-Umformsparte haben (von links) Georg Fortmeier, Regina Kopp-Herr, Günter Garbrecht, Guntram Schneider, Ute Herkströter und Udo Horn gesprochen.

Als Mitglied im Kabinett der Landesregierung hatte der gebürtige Isselhorster mit Blick auf den geplanten Verkauf der Metallumformsparte von Thyssen-Krupp auch Forderungen im Gepäck. Dabei ging es vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze und um die Bindung an Tarifvereinbarungen. Gleichzeitig bot er die Hilfe der Landesregierung an, falls sie gewünscht werde.
Der Unternehmensstandort Brackwede müsse weiterentwickelt werden, Innovationen seien wichtig, aber neben der Forschung und Entwicklung müsse nach dem Verkauf auch die Produktion erhalten bleiben. »Sonst hat das hier keine Zukunft«, sagte Guntram Schneider nach dem Gespräch mit der Geschäftsleitung, an dem auch Bezirksbürgermeisterin Regina Kopp-Herr, die Bielefelder SPD-Landtagsabgeordneten Günter Garbrecht und Georg Fortmeier sowie die IG-Metall-Bevollmächtigte Ute Herkströter und Betriebsratsvorsitzender Udo Horn teilnahmen.

Die Entscheidung, wer die Metallumformsparte von Thyssen-Krupp übernehmen wird, steht dem Vernehmen nach unmittelbar bevor. Als Bieter waren zuletzt die spanische Gestamp-Gruppe und der chinesische Staatskonzern Shougang im Gespräch (das WESTFALEN-BLATT berichtete). »Wir haben deutlich gemacht, dass es beim Käufer auf die Nationalität nicht ankommt, wichtig ist die Perspektive für den Standort«, sagte der Arbeitsminister, der das »sehr positive Gespräch« mit der Geschäftsleitung lobte. Die Mitbestimmungskultur im Unternehmen funktioniere – und zwar so gut, dass Arbeitnehmervertreter in Kürze mit dem künftigen Käufer noch vor der Übernahme ein Gespräch führen können, »damit auch dem Käufer klar ist, was die Mitarbeiter fordern«, sagte IG-Metall-Bevollmächtigte Ute Herkströter. Diese Mitbestimmungskultur »ist auch für den Investor ein Vorteil«, sagte der Minister, der zuletzt Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes war: »Ohne sie wäre die NRW-Stahlindustrie nicht die modernste der Welt.«

Als positiv wertete Guntram Schneider auch, dass Thyssen-Krupp weiter in den Standort investiere und hob die Bedeutung des Werkes für Bielefeld hervor: Das Unternehmen sei mit seinen 1400 Mitarbeitern der größte Industriebetrieb der Stadt.

Schneider besuchte am Freitag auch den Verein BAJ und die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) in Bielefeld. Sie setzen sich mit ihren Förderungs- und Qualifizierungs-Initiativen für Menschen ein, die einen schweren Zugang zum ersten Arbeitsmarkt haben