Herzen im Sturm erobert

VON THOMAS KOPSIEKER

Brackwede. Wie fast überall, wo ein größerer Kreis von Menschen einem Vortrag lauscht, wird auch im Erzählcafé gelegentlich getuschelt und geflüstert. Bei der jüngsten Zusammenkunft im Bartholomäusgemeindehaus war das anders. Da hätte man fast eine Stecknadel fallen hören.

Das lag daran, dass der Vortrag so interessant und gleichzeitig unterhaltsam war. Das überrascht nicht, wenn man weiß, dass diesmal eine prominente Politikerin zu Gast war, und dieser Berufsstand zeichnet sich ja in der Regel durch Eloquenz und Wortwitz aus. Die Erzählerin heißt Regina Kopp-Herr, seit knapp einem Jahr Brackweder Bezirksvorsteherin und seit vier Monaten Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags.

Kopp-Herr eroberte mit ihrer offenen ungekünstelten Art die Herzen der Besucher im Sturm. Schon Ihr Bekenntnis „das ist für mich eine Premiere ich bin deshalb ein wenig aufgeregt“, brachte ihr Sympathien ein.

Bevor sie auf ihr Thema „Engagement für und mit Menschen“ und damit auf ihre politischen Aktivitäten zu sprechen kam, verriet die erste Frau an der Spitze des Stadtbezirks Brackwede ein wenig über die Privatfrau Regina Kopp-Herr. So erfuhren die Zuhörer, dass Kopp-Herr 1957 in Oberhausen das Licht der Welt erblickt hat. Sie und ihre drei Geschwister seien sehr behütet in einem vom katholischen Glauben geprägten Elternhaus aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss absolvierte Regina Kopp-Herr zunächst eine Ausbildung zur Arzthelferin und setzte später noch eine Weiterbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin oben drauf. „Das war mein Traumberuf“, bekannte sie und plauderte aus: „Die ganze Familie des bekannten Fußballtrainers Kalli Feldkamp gehörte zu unseren Patienten“.

1980 zogen Kopp-Herr und ihr Mann nach Bielefeld. „Er hatte hier einen Studienplatz bekommen, ich fand eine Stelle im Klösterchen.“ Seitdem lebt die Familie, zu der mittlerweile vier Kinder im Alter von 24, 22, 20 und 17 Jahren gehören, im Brackweder Ortsteil Ummeln. Dort nahm auch Kopp-Herrs „Engagement von und für Menschen“ ihren Anfang. Mehr als 15 Jahre war sie in Klassen- und Elternpflegschaften aktiv.

Was ihre politische Karriere betrifft, kann man Regina Kopp-Herr wohl ungestraft als „Spätberufene“ bezeichnen. Dafür ging alles sehr, sehr schnell. 2004 wurde sie als Mitglied der SPD-Fraktion erstmals in die Brackweder Bezirksvertretung (BZV) gewählt. Die nächste Kommunalwahl 2009 brachte ihr zusätzlich noch ein Mandat für den Bielefelder Stadtrat ein. Bei der Landtagswahl im Mai diesen Jahres erhielt Regina Kopp-Herr einen Sitz im NRW-Parlament. „Ich hab meinen Wahlkreis direkt geholt“, erzählte sie nicht ohne Stolz.

Als frischgebackene Landtagsabgeordnete durfte sie ihre Stimme bei der Wahl des Bundespräsidenten abgeben. „Ich habe Herrn Wulff nicht gewählt, sondern Herrn Gauck meine Stimme gegeben, das ist wohl kein Geheimnis“ meinte sie.

Eine erfolgreiche, ambitionierte Politikerin zu sein, fordert aber auch seinen Preis: Für Privates bleibt nur wenig Zeit. „Ich bin die, die zuhause am wenigsten tut“, verriet sie schmunzelnd, „mein Mann bügelt, und die Kinder erledigen die Einkäufe“. Aber Regina Kopp-Herr klagt nicht. Im Gegenteil:„Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, all das zu erleben“.