Die SPD erobert Bielefeld zurück

Westfalen-Blatt, 10.05.2010

Bielefeld (WB). SPD, Grüne und Linke sind die Gewinner der Landtagswahl in Bielefeld. Die CDU musste eine herbe Niederlage einstecken. Die FDP blieb hinter den selbst gesteckten Zielen zurück.
Die drei Bielefelder Wahlkreise wurden von den SPD-Kandidaten Günter Garbrecht (41,9 Prozent im Wahlkreis 92 ), Regina Kopp-Herr (42,3 Prozent im Wahlkreis 93) und Georg Fortmeier (40,9 Prozent im Wahlkreis 94) direkt geholt. Der Grüne Matthi Bolte holte im Wahlkreis 92 18,2 Prozent Erststimmen und 21,8 Prozent Zweitstimmen, verbesserte damit noch einmal das Ergebnis von Michael Vesper aus dem Jahr 2005 (17,7 Prozent). Er zieht über die Liste in den Landtag ein.
Die CDU wird künftig nur noch mit einer Abgeordneten in Düsseldorf vertreten sein. Die bisherige Schulministerin Barbara Sommer kam in ihrem Wahlkreis 92 zwar nur auf 26,3 Prozent, war aber auf der Liste abgesichert. Rainer Lux, seit 15 Jahren im Landtag, unterlag mit 37,3 Prozent Neuling Regina Kopp-Herr, Staatssekretär Günter Kozlowski musste sich mit 36,5 Prozent Georg Fortmeier geschlagen geben. Beide CDU-Politiker hatten keine Listenplätze. Bei den Zweitstimmen schaffte die Union in Bielefeld nur magere 29,3 Prozent.
Bereits als die ersten Hochrechnungen vorlagen wurde im Ratssaal kräftig gejubelt. »So sehen Sieger aus«, sangen die Grünen und ließen Matthi Bolte hochleben. Die Jusos zogen mit roten Fahnen ein. Die drei SPD-Kandidaten lagen sich in den Armen.
Die FDP kam in Bielefeld bei den Zweitstimmen auf 5,1 Prozent, eine leichtes Plus gegenüber 2005. Insgesamt blieb die Partei aber hinter ihren Erwartungen zurück. FDP-Kreischef Thomas Seidenberg, der im Wahlkreis 94 als Direktkandidat angetreten war und in der Landesliste auf Platz 21 stand, wird nicht in den Landtag einziehen.
Hoch zufrieden zeigten sich die Linken. Bei den Zweistimmen kamen sie in Bielefeld auf 7,6 Prozent, lagen damit deutlich über dem Landesdurchschnitt. Ihre Direktkandidaten waren allerdings nicht auf Listenplätzen abgesichert.
Die Sozialdemokraten eroberten zwar alle drei Wahlkreise in Bielefeld zurück. Ihr Zweitstimmenergebnis blieb mit 35,4 Prozent aber dennoch um knapp vier Prozentpunkte hinter ihrem Gesamtergebnis von 2005 zurück. Beim Vergleich der Zweistimme mit dem Gesamtresultat vor fünf Jahren machten die Grünen mit sechs Prozentpunkten im Verhältnis den größten Satz nach oben. Für die Linken gibt es keinen Vergleichswert. 2005 traten WASG und PDS an. Die Piraten kamen in Bielefeld 1,4 Prozent Zweitstimmen, die Rechtspopulisten von Pro NRW erhielten nur 0,9 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag mit 61,1 Prozent noch einmal deutlich unter der vor fünf Jahren, als 64,3 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen gingen. Größere Pannen gab es nicht. Lediglich eines von 217 Stimmbezirksergebnissen konnte vom Wahl-Rechner lange Zeit nicht verarbeitet werden