Rasant nach oben

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Dass »Kinder von Anfang an eine vernünftige Startchance« haben, das ist für Regina Kopp-Herr eine Herzensangelegenheit. Die 53-Jährige hat eine rasante politische Karriere hingelegt. »Damit hätte ich auch selbst niemals gerechnet«, sagt sie.

Als sie 1992 in die SPD eingetreten sei, habe sie zwar nach Kräften vor Ort mitgearbeitet, ihre Priorität sei jedoch die Familie mit den zwei Töchtern und zwei Söhnen zwischen 23 und 16 Jahren gewesen. Nachdem sie 2004 Mitglied der Bezirksvertretung Brackwede geworden sei, sei alles schnell gegangen: Ebenfalls seit 2004 ist Regina Kopp-Herr Mitglied des Jugendhilfeausschusses der Stadt, gehört seit 2009 dem Rat an und ist Bezirksvorsteherin. Das Amt will sie auch auf keinen Fall aufgeben, wird sie am Sonntag in den Landtag gewählt. Regina Kopp-Herr steht auf Platz 25 der Landesliste. »Deshalb heißt es für mich ‚Alles oder nichts’«, ist sie überzeugt. Sie wolle ihren Wahlkreis 93 direkt erobern. Für dieses Ziel hat sie während des Wahlkampfes alles andere zurück gestellt: Sie hat sich vom Projekt »Helfen lernen« frei stellen lassen, überlässt vieles im Haushalt Mann und Kindern, bindet die Familie mit in Wahlkampf-Routine-Aufgaben ein. Auch für ihr Hobby Patchwork hat sie keine Zeit mehr. Allerdings hat Regina Kopp-Herr sich vorgenommen, sich am Sonntagnachmittag nach dem Gang zur Wahlurne wieder einmal an die Nähmaschine zu setzen: »Das entspannt mich. Die Arbeit an der Nähmaschine hat mich dazu erzogen, geduldig zu sein.«
Als Landtagsabgeordnete will sie sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen, dafür, dass sich »gute Bildung rechnet«, aber »vom Kindergarten bis zur Hochschule« nichts kostet. Sie möchte erreichen, dass es neben der Schule auch sportliche und kulturelle Angebote gibt, deren Teilnahme nicht am (fehlenden) Geld scheitern dürfe. Gern würde sie in den Landtagsausschüssen mitarbeiten, die sich den Themen Jugendhilfe, Integration, Frauen widmen: »Aber ich habe auch ein Faible für den Umweltschutz.«
Regina Kopp-Herr ist in Oberhausen geboren, lebt aber schon seit 30 Jahren in Bielefeld und fühlt sich längst als Bielefelderin. Ihr Elternhaus habe sie geprägt, erzählt sie: »Meine Mutter hat uns Kindern immer vermittelt, dass jeder Mensch einzigartig ist und auch so wahrgenommen werden will.« Ihren Wahlkreis auf beiden Seiten des Teutoburger Waldes empfinde sie als »reizvoll»: »Eine schöne Landschaft und nette Menschen.« Sie habe Ecken von Bielefeld gesehen, die sie vorher nicht gekannt habe: »Das macht Spaß.«
Regina Kopp-Herr räumt ein, dass sie am Sonntag vermutlich »total nervös« sein werde, aber das kenne sie schon: »Als ich meine erste Sitzung als Bezirksvorsteherin geleitet habe, war ich auch sehr aufgeregt.« Inzwischen habe sie eine »gewisse Routine« entwickelt: »Auch, weil mich im Bezirksamt und in der Partei alle toll unterstützen.«