»Wir haben die Kraft«

Von Burgit Hörttrich
und Michael Schläger

Bielefeld (WB). Wahlkampfkundgebung der SPD. Da ist der rote Schal Pflicht. Oder die rote Krawatte. Oder beides. Nur eine macht eine Ausnahme: Hauptrednerin Hannelore Kraft trägt Lila um den Hals.
Dass die SPD-Spitzenkandidatin (Slogan: »Wir haben die Kraft«) die Stimme schonen müsste, ist ihr auf dem Rathausplatz vor rund 350 Zuhörern nicht anzumerken. Zumal ihr der Ex-Bundesfinanzminister und Ex-NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück den Boden bereitet hat. Kraft betont, der Wechsel sei greifbar. Und die SPD wolle alles dafür tun, dass NRW erfolgreicher, gerechter und sozialer werde. »Weg mit Gebühren von der Kita bis zur Hochschule und der Meisterprüfung«, fordert Kraft. Viele Beifall gibt es, als Kraft sagt: »Ich will, dass unsere Städte sich wegen der Solidarität mit dem Osten nicht verschulden.« Förderung dürfe sich nicht nach der Himmelsrichtung, sondern müsse sich an der Bedürftigkeit ausrichten. Und gerade viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen seien hoch verschuldet, hätten unter großen strukturellen Problemen zu leiden.
Kraft wirbt auch für die Gemeinschaftsschule: »Schulerfolg darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.« Die Gemeinschaftsschulen ermöglichten ein längeres gemeinsames Lernen, und davon würden die schwächeren Schüler profitieren. »Wir wollen keinen Schulkrieg. Wir werden das System gemeinsam mit Eltern, Lehrern und Kindern zum Erfolg führen.« Kraft fordert Mindestlöhne, spricht sich gegen Atomkraft, aber für moderne Kohlekraftwerke aus: »Die hab‘ ich lieber sauber im eigenen Land als dreckig bei unseren Nachbarn.«
Vorredner Peer Steinbrück gibt sich zunächst reumütig (»Ich habe die Niederlage vor fünf Jahren zu verantworten«), um dann über die aktuelle Landesregierung nach Kräften herzuziehen (»Rüttgers ist keine Rau-Kopie, sondern eine Raubkopie«, »Die CDU lebt von der Vergesslichkeit der Bürger«). Dann erklärt er den Standpunkt der SPD zur Griechenland-Hilfe (»Der Euro darf nicht angreifbar sein«). Schließlich bringt er ein eigentlich untypisches Politikerargument: »Glauben Sie mir, weil ich Ihnen nichts verspreche.«
Gemeinsam mit den Landtagskandidaten aus Bielefeld und der Region mahnt Steinbrück: »Geht und wählt!« Zuvor hatte der Ex-Bundesminister Franz-Josef »Jupp« Denzer, den ehemaligen Landtagspräsidenten, und Oberbürgermeister Clausen in der ersten Reihe begrüßt: »Pit, ich freue mich, Dich zu sehen.«
Die Bielefelder Landtagskandidaten Regina Kopp-Herr, Günter Garbrecht und Georg Fortmeier nutzen die Gelegenheit, erneut ihre Kernslogans unters Wahlvolk zu bringen: »Integration fängt in den Köpfen an«, »Weg mit der Leiharbeit und mit schlechten Arbeitsbedingungen«.
Verstärkung haben die Kandidaten durch Ulrich Kleber, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und Dr. Norbert Walter Borjans, Krafts Wirtschaftsberater.