Bielefelder Optik

Westfalen-Blatt, 20.03.2010

Diesmal steht die Landtagswahl in Bielefeld unter besonderen Vorzeichen. Selten hat es eine Kandidatenriege aus so bekannten Landes- und Kommunalpolitikern gegeben.
NRW-weite Aufmerksamkeit dürfte der Wahlkampf von Schulministerin Barbara Sommer (CDU) auf sich ziehen, die in einer SPD-Hochburg, dem Wahlkreis Bielefeld-Mitte, antritt. Die Seiteneinsteigerin, die Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vor fünf Jahren überraschend ins Kabinett holte, bewirbt sich erstmals für ein Landtagsmandat, bekommt einen guten Listenplatz. Ihr Fachbereich, die Schulpolitik, wird im Mittelpunkt der landesweiten politischen Auseinandersetzungen stehen. Da wird es Wind von vorn geben.
Zwei prominente Ratspolitiker wollen es ebenfalls wissen. CDU-Fraktionschef Rainer Lux ist auch in der Landespolitik ein alter Hase, hat seinen Wahlkreis im Süden und Osten der Stadt zuletzt direkt geholt und tritt selbstbewusst ohne Netz und doppelten Boden an. Abgesichert ist er nicht.
Das gleiche gilt auch für einen landespolitischen Neuling. SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier will im Bielefelder Norden und im Altkreis Halle punkten. Erst seit der Kommunalwahl ist Fortmeier die erste Reihe getreten, ringt noch mit seinem Bekanntheitsgrad. Gegen Staatssekretär Günter Kozlowski (CDU) wird er’s nicht leicht haben. Aber dem tragen manche nach, dass er sein Landtagsmandat vor fünf Jahren sofort für den Staatssekretärs-Job hat sausen lassen.
Interessant ist der »Nordwest«-Wahlkreis auch, weil sich dort Thomas Seidenberg (FDP) an die politische Front zurückmeldet. Der Kreischef der Liberalen hatte jahrelang keinerlei Mandat. Chancenreich ist seine Bewerbung dann, wenn die FDP ihr aktuelles Tief überwindet. Für Bielefeld spannend ist dabei die Frage, wie es bei den Wählern ankommt, dass die FDP im Rat mit Grünen und SPD zusammenarbeitet, im Land aber weiter auf Schwarz-Gelb setzt.
Die Grünen machen sich derzeit wohl am wenigsten Sorgen. Ihr aussichtsreichster Bewerber ist Student und Ratsmitglied Matthi Bolte, und der will frech auch an der Mehrheit von SPD-Urgestein Günter Garbrecht kratzen. Und die Linken? Keine aussichtsreichen Kandidaten, aber Stimmenpotenzial in Bielefeld. Bei Kommunal- und Bundestagswahl hat sich das zum Leidwesen der Mitbewerber gezeigt.
Bleiben die Anhänger einer immer größer werdenden politischen Gruppierung: die der Nichtwähler. Die erleben hoffentlich Einbußen. Denn der Landtagswahlkampf wird eigentlich spannend wie selten.