Der große Flickenteppich

Ende der Lager: Bisher stützten sich die Bezirksvorsteher in der Regel auf die Mehrheit ihres Lagers, auf der einen Seite CDU, FDP und BfB, auf der anderen SPD und Grüne. Die CDU stellte in Brackwede, Heepen, Jöllenbeck, Senne und Sennestadt den Amtsinhaber. Dornberg war ein Sonderfall des rechten Lagers, weil man sich nach Querelen schließlich auf BfB-Kandidatin Mareile Hempelmann geeinigt hatte. In Gadderbaum, Mitte, Schildesche und Sennestadt amtierten zum Schluss SPD-Politiker bzw. -Politikerinnen.

Zünglein an der Waage: Die neue Farbenlehre resultiert aus einem Zuwachs des linken Lagers. Nur in Stieghorst gibt es noch eine rechte Mehrheit. In fünf Stadtbezirken sind die Linken sogar das Zünglein an der Waage: in Brackwede, Dornberg, Heepen, Jöllenbeck und Sennestadt.

Rot-Grün-Rot: Bisher haben sich vier Vorsteher-Kandidaten der SPD auf eine Absprache mit Linken und Grünen eingelassen: Regina Kopp-Herr in Brackwede, Holm Sternbacher in Heepen, Detlef Knabe in Schildesche und Elke Klemens in Sennestadt. Von ihnen könnte nur Knabe mit Rot-Grün allein Bezirksvorsteher werden.

Die Wackelkandidaten: Ob es in Dornberg und Jöllenbeck ebenfalls rot-grün-rote Bündnisse geben wird, ist eher fraglich. In Jöllenbeck schließen die Grünen auch nicht aus, CDU-Amtsinhaber Hans-Jürgen Kleimann wieder zu wählen. Sie pokern noch und sind in einer komfortablen Position. Denn CDU und SPD könnten ohne die Grünen nur bei einer großen Koalition Mehrheiten finden. Doch zwischen CDU und SPD hakt es.

Spannend ist erneut das Rennen in Dornberg, wo schon vor fünf Jahren überraschend die BfB-Vertreterin Bezirksvorsteherin wurde. Diesmal haben die Bemühungen um eine Zusammenarbeit so wenig gefruchtet, dass vier, vielleicht sogar fünf Bewerber antreten. Es wird wohl eine Kampfabstimmung geben. Denkbar ist sogar, dass die CDU allein mit ihren Stimmen Kandidat Hermann Berenbrinker durchbringt (s. Artikel rechts).

„Offen wie ein Scheunentor“, so ein Beteiligter, ist der Ausgang in Gadderbaum. Die Grünen leiten aus ihrem Superergebnis von fast 40 Prozent den Anspruch auf das Vorsteher-Amt ab. Mit der SPD hätten sie auch eine komfortable Mehrheit. Aber die SPD will das Feld – bisher ist ihre Vertreterin Barbara Schneider Bezirksvorsteherin – nicht einfach räumen. Die Grünen lehnen ein Splitting-Modell aber ab.

Das könnte zur Folge haben, dass es in Gadderbaum eine ganz große Koalition an den Grünen vorbei gibt. Denn CDU, SPD, BfB und FDP sondieren, ob sie nicht gemeinsam eine Mehrheit bilden können. Die Grünen als stärkste Fraktion würden in die Röhre gucken.

Große Koalition: Fest steht eine große Koalition bisher nur in Mitte. Weil die Grünen hier zumindest eine halbe Wahlperiode den Vorsteher stellen wollten, hat sich die SPD der CDU zugewandt. Gemeinsam haben sie sich die Unterstützung des BfB-Vertreters Hans Micketeit für die Wiederwahl von Hans-Jürgen Franz (SPD) gesichert.

Groß-Jamaika: Jamaika ist in Senne. Sogar Groß-Jamaika. Weil sich hier SPD und Grüne nicht verstehen, unterstützen die Grünen die Wahl des CDU-Bewerbers Gerhard Haupt, der auch mit den Stimmen von FDP und BfB rechnen kann. Karin Schrader (SPD), die mit Grünen, Linken und Bürgernähe eine Mehrheit hätte, bleibt außen vor.

Bürgerliche Mehrheit: Die einzig verbliebene bürgerliche Koalition aus CDU, BfB und FDP gibt es noch in Stieghorst. Hier stand die Wiederwahl von Gerhard Henrichsmeier (CDU) deshalb nie in Frage.

Selbstkritik und Frust: Das Gekungel und Geschachere in einigen Bezirken um Mehrheiten für Vorsteher stößt selbst unter den Beteiligten manchen ab. Inhaltliche Fragen rücken oft in den Hintergrund. Persönliche Animositäten blockieren sinnvolle Zusammenarbeiten. Stärkste Fraktionen fühlen sich ausgebootet.

Und die Ungerechtigkeit der Sitzverteilung (in Jöllenbeck gibt es Sitze für 333, andere für erst 817 Stimmen), die rechnerisch zu kippenden Mehrheiten führt, sorgt für zusätzlichen Frust, auch in Heepen.

Störfeuer für den Rat: Belastend wirkt der Flickenteppich auch auf die Gesamtstadt, wo sich die Parteien mit einer Mehrheitsfindung für den Rat schwer tun. Störfeuer aus den Bezirken kämen da äußerst unpassend.