Kopp-Herr statt Brunemeier

Die Nachricht von Brunemeiers Abtritt von der politischen Bühne kam plötzlich, aber nicht völlig unerwartet. Wie berichtet, hat der 65-Jährige im Mai einen Bandscheibenvorfall erlitten, der ihn für Wochen außer Gefecht setzte. Mehr als der eigentliche Vorfall machte dem langjährigen Landtagsabgeordneten anschließend die für dessen Behandlung verordnete medikamentöse Therapie zu schaffen.

„Ich habe die kortisonhaltigen Präparate überhaupt nicht vertragen“, so Brunemeier. Die Folgen dieser Unverträglichkeit waren dramatisch. Der gelernte Werkzeugmacher und studierte Lehrer erlitt unter anderem teilweise gravierende neurologische Ausfälle und einen Hörsturz.

Obwohl er sich zeitweise kaum auf den Beinen halten konnte, nahm Brunemeier klaglos die Strapazen des Kommunalwahlkampfes auf sich. Mit Erfolg. In der Bezirksvertretung Brackwede sind SPD und CDU mit je sechs Sitzen jetzt gleich stark, nachdem die Christdemokraten einen Sitz verloren haben. „Es war immer mein Traum, in Brackwede Bezirksvorsteher zu werden“, sagt er, „dass ich dazu nun nicht mehr in der Lage bin, schmerzt mich unheimlich“.

Er habe bis zum Schluss gehofft, dass sich sein Gesundheitszustand wieder bessere, „aber er hat sich in den letzten Tagen so dramatisch verschlechtert, dass mir auch auf dringenden ärztlichen Rat hin keine andere Wahl blieb, als alles hinzuschmeißen“.

Bei Brunemeiers Parteifreunden schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. „Das gute Wahlergebnis hatte Bernd Brunemeier wieder richtig Aufwind gegeben“, berichtet der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Marcus Lufen, „noch am Montag hat er mir gesagt, dass er auf jeden Fall kandidieren will“.

In der Nacht zu Dienstag habe Brunemeier dann einen Kreislaufkollaps erlitten und daraufhin auf Anraten seines Arztes endgültig die Reißleine gezogen.

Lufen: „Wir als Brackweder SPD müssen die Entscheidung Brunemeiers schweren Herzens akzeptieren. Die Gesundheit hat absoluten Vorrang“.

Die neue Bezirksvorsteher-Kandidatin, Regina Kopp-Herr, ist gelernte Arzthelferin und MTA. Seit 1992 ist sie SPD-Mitglied und gehört seit 2004 der Bezirksvertretung Brackwede an. Kopp-Herr stammt aus Oberhausen, ist verheiratet und hat vier Kinder. Brunemeiers Nachfolger als SPD-Fraktionssprecher in der BZV Brackwede wird der 59-jährige Berufsschullehrer Hans-Werner Plassmann. Auf den durch Brunemeiers Verzicht frei gewordenen Sitz in der BZV rückt Michael Wiziald nach. „Wir sind sicher, dass Regina Kopp-Herr Brackwedes erste Bezirksvorsteherin wird“, gibt sich Lufen optimistisch. Und die Kandidatin selbst meint: „Es gibt nichts, was ich anders sehe oder anders entscheiden würde als Bernd Brunemeier“.

Jetzt hoffen die Brackweder Sozialdemokraten, so Lufen, „dass Bernd Brunemeier nach seiner Genesung mit seiner langjährigen Erfahrung in der Kommunal- und Landespolitik uns in beratender Funktion wieder zur Seite steht.“