Pressemitteilung:

  • 27. April 2012

Lehre und Forschung unter einen Hut bringen

Georg Fortmeier, Regina Kopp-Herr, Riza Öztürk, Svenja Schulze, Wiebke Esdar und Günter Garbrecht (v.l.)

Georg Fortmeier, Regina Kopp-Herr, Riza Öztürk, Svenja Schulze, Wiebke Esdar und Günter Garbrecht (v.l.)


Ministerin Svenja Schulze (SPD) informiert sich über den Arbeitsplatz Hochschule


Wie ist es um den Arbeitsplatz Hochschule für den wissenschaftlichen Nachwuchs bestellt? Um diese Frage ging es bei einem Vortrag der Diplom-Psychologin Wiebke Esdar in der Universität Bielefeld. Auf Einladung der Pädagogischen Psychologie nahmen daran Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen,

die drei Bielefelder SPD-Landtagskandidaten Regina Kopp-Herr, Günter Garbrecht und Georg Fortmeier, der Personalrat der Universität, Elke Wild, Professorin für Pädagogische Psychologie sowie weitere Nachwuchswissenschaftlerinnen teil. In der anschließenden Diskussion zeigte Schulze Verständnis für die Sorgen der Nachwuchswissenschaftler und kritisierte zugleich die sogenannten Hochschulrankings.

In ihrem Vortrag machte Wiebke Esdar zunächst deutlich, dass sich das deutsche Hochschulsystem in einem Umbruch befindet und es dadurch zu einer Vervielfältigung von Anforderungen für Wissenschaftler kommt. Als Ursache lassen sich im Bereich der Lehre unter anderem die Bologna-Reform (Umstellung auf Bachelor und Master), in der Forschung die Exzellenzinitiative sowie mehr Drittmittelprojekte ausmachen. Im Rahmen des Forschungsprojekts ConGo - Conflicting Goals@universities wurde nun erstmals interdisziplinär ermittelt, welche Folgen diese multiplen Anforderungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs haben. Dazu wurden rund 700 Nachwuchswissenschaftler online befragt, sowie ausführliche Interviews geführt. Als besonders belastend wird der Zielkonflikt zwischen Lehre und Forschung erlebt. Der Anspruch einer immer besseren Lehre führt dazu, dass immer weniger Zeit für die Forschung bleibt. Da eine wissenschaftliche Karriere aber nur durch umfangreiche und gute Forschung möglich ist, stehen Nachwuchswissenschaftlicher unter großem Druck. Esdar regte daher an, die unterschiedliche Wertigkeit von Lehre und Forschung zu verringern. Zudem müssten hochschulpolitische Reformen die Gesamtheit universitärer Aufgaben und Interdependenzen der Teilbereiche berücksichtigen.

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze zeigte Verständnis für die Sorgen der Nachwuchswissenschaftler, wies aber auf ein weiteres Problem hin: „Uns fehlt in diesem Bereich leider eine wissenschaftliche Grundlage, was gute Lehre eigentlich ausmacht. Wie und woran wollen wir das messen?“ In diesem Zusammenhang übte sie zudem Kritik an den Hochschulrankings, nach denen sich sowohl die Universitäten selbst als auch die Studierenden ausrichten: „ Die Kriterien für die Rankings sind mir zu einseitig. Da werden oftmals nur die Forschungsergebnisse als Indikatoren herangezogen. Die Lehre spielt nur eine untergeordnete Rolle.“ Eine Aussage, die auch bei den anderen Teilnehmern der Diskussionsrunde auf Verständnis stößt.